Kahnfahren

Die Nachricht über die Entscheidung des Trainers der bundesdeutschen Fußballnationalmannschaft, den Bayern-München-Torwart Oliver Kahn für die Fußball-WM nicht als erste Wahl zu betrachten, schaffte es am 7. April auf Platz 1 in der "Tagesschau" der ARD. Erst auf Platz 2 folgte das Hochwasser der Elbe, das derzeit am Unterlauf des Flusses Rekordhöhen erreicht. Im niedersächsischen Hitzacker können die Leute schon mit dem Kahn um ihre putzigen alten Häuser fahren und fragen sich, warum bei ihnen ohne Vorwarnung das Wasser bis auf Hüfthöhe stieg. Weil in Sachsen und andernorts die Deiche gehalten haben, antwortet die FAZ. Die "Tagesschau" bietet für das Mirakel lieber gar keine Erklärung an. Und Angela Merkel schneidet den Weg zu unpassenden Nachfragen mit dem Versprechen "großzügiger Hilfe" ab. Aber wie kommt es, daß dem westelbischen Hitzacker so lange nichts passierte, wie flußaufwärts die SED auch über das - zugegeben vergleichsweise dreckigere - Wasser der Elbe regierte? Lag´s tatsächlich am Deichmangel im SED-Staat, oder haben die Kommunisten einfach nur Schwein mit dem Wetter gehabt? Vielleicht fragt ja mal eines der selbsternannten Qualitätsmedien nach, welcher Provinzfürst sich wann weigerte, rechtzeitig Überflutungsflächen freizugeben oder diese frühzeitig mit Häusern zubauen ließ. PS: Als Figur auf dem Fußballrasen symbolisiert der Torwart eigentlich die Menschwerdung des Affen, weil der Mann zwischen den Pfosten seine Hände zur Arbeit gebraucht. Die Aufregung um Oliver Kahn sollte auch aus diesem höheren Grunde unterbleiben.