Landauer

Der tägliche Leser der FAZ bemerkt seit längerem gänzlich unamüsiert: Der Aufwand, den die Reaktion - oder Teile von ihr - für gestalterische Mätzchen treibt, steht in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Aufmerksamkeit, die inhaltlicher Verläßlichkeit des Dargebotenen gilt. Allein in der heutigen Ausgabe gab es mindestens drei Berichtigungen - „mindestens", weil hier keine Bürgschaft übernommen werden kann, daß nicht weitere übersehen worden sind. Eine der Richtigstellungen gilt Gustav Landauer, dem kommunistischen Anarchisten, der 1919 von vertierten Bürgersöhnchen nach der Niederschlagung der Münchener Räterepublik umgebracht worden ist. Am 22. Dezember hatte im FAZ-Feuilleton gestanden, Landauer sei von „Nationalsozialisten" ermordet worden. Heute nun heißt es, es sei „ein Freikorps" gewesen, dem Landauer schon 1919 zum Opfer fiel. Ein ziemlich krasser Patzer für ein Blatt, das Weltgeltung behauptet - wenn auch bemerkt sein will: Hätte das Blatt statt „Nationalsozialisten" das Wort „Faschisten" gedruckt, wäre die Sache nicht so peinlich. Denn auf den Stahlhelmen der Freikorpsschlächter, die im Einverständnis mit den Sozialdemokraten Friedrich Ebert und Gustav Noske wüteten, prangte nicht selten ein Hakenkreuz. Und wenn sich Faschisten „Nationalsozialisten" nennen, muß dem noch längst niemand folgen.