Wurstmaxe h.c.

Rotzbremse in feister Visage - wenn soetwas an einem Berliner Imbißstand aus der Luke guckt, sollte von weiterem Aufenthalt an diesem Ort Abstand genommen werden, vom Kauf einer Currywurst sowieso. Denn ungefragt und in voller Lautstärke drängt diese Art speckig glänzender Imbißluden jedermann ihre unmaßgeblichen Ansichten über Politik, Wetter, Sex und das Wurstwesen auf. Jeden Tag dieselbe Leier. Und ganz sauber ist es in der Bude nie. Bei Konnopke in der Schönhauser Allee allerdings, Deutschlands führendem Currywurstbräter, bleiben den Kunden solche Erlebnisse erspart. Dort weiß man, was sich gehört. Ganz anders das Berliner Abgeordnetenhaus. Das hat vor, die vollkommene Verkörperung des Wurstmaxentums mit dem Titel eines Berliner Ehrenbürgers zu bedenken. Wolf Biermann bekommt dann ein Freiabo für das Berliner Amtsblatt, muß in der Haupstadt nicht mehr für die U-Bahn bezahlen, und nachdem er gestorben ist, darf der Wurstmaxe honoris causa sich bis zum Jüngsten Gericht in einem Ehrengrab lümmeln - falls der Weltgeist tatsächlich so blöde sein sollte. Peter Hacks hat Biermannn 1976 den „Eduard Bernstein des Tingeltangel" genannt. Das war mutig und nicht nett gemeint, aber von heute aus gesehen der Ehre zuviel. Mit Bernstein begann der Weg der deutschen Sozialdemokratie hinab zu Franz Müntefering, mit Biermann die offensichtliche Verblödung des DDR-Kunstbetriebs. Der alte Ede verdankte seine Macht in der Arbeiterbewegung auch dem Wissen über Bettgeschichten der Herren Marx und Engels, Biermann kannte nur die Falten an Margot Honeckers Hals. Bernstein galt zu seiner Zeit als halbwegs repektabler Kopf, über George W. Bushs dichtenden Hilfsmetzger wird das außer dem deutschen Feuilleton kaum einer behaupen. Außerdem: Bernstein hatte nie eine Gitarre dabei.