Alte Kameraden

In Finnland, so informierte uns vor Jahren der Schriftsteller Heinz Knobloch, wurde irgendwann eine Schallplatte gepreßt, von der auch der deutsche Marsch „Alte Kameraden" abgespielt werden konnte. Je nun. Die Finnen im Plattenverlag hatten aber Probleme mit dem Wort „Kameraden" und übersetzten den Titel des martialischen Stücks mit „Alte Fotografen". Das kann gerade Finnen passieren, deren Sprache in Europa außer dem Ungarischen keine Verwandten haben soll. Und wer weiß, was sich der Übersetzer vorgestellt hat: Fotografen, exakt in Reih und Glied marschierend, die Stative geschultert und die Linsen streng auf den Vordermann ausgerichtet? Den Deutschen ist´s ja zuzutrauen. Aber was denken sich deutsche Journalisten, die über Begängnisse berichten, bei denen angeblich „internationale Autoren" anwesend gewesen sein sollen? Meinen sie nicht Menschen aus verschiedenen Ländern, die jeweils einer bestimmten Nation angehören? Oder auch Ausländer, die sich hierzulande mit Inländern treffen. Oder doch Leute wie sie selbst, die ihre Landessprache weder beherrschen wollen noch können? Weil Sprache, die Tatbestände richtig beschreibt, schon die Vermutung nährt, daß es da jemand genau wissen will und sich nicht an die Vorgaben hält. Dieser Verdacht ist ein Karrierekiller, also tunlichst zu vermeiden.