Goebbels sells

Spiegel-Chefrakteur Stefan Aust ist von allem Geist verlassen. Zu einer großen Geschichte über Putins Bestreben, Rußlands Energievorräte als politischen Waffe gegen das Abendland zu nutzen, ließ er für die Ausgabe der letzen Woche (Der Spiegel 10/2007) ein Titelblatt produzieren, das den Herrscher aller Reußen finsterblickend hinter Pipelineröhren zeigt, die wie ein Strahlenkranz vom pelzbemützten und mit rotem Stern bestückten Putinkopf auf den Betrachter zulaufen. Diese Woche gibt das Magazin im Leserbriefteil verschämt zu, „Inspiration" dafür sei ein sehr ähnliches Wahlplakat von 1953 gewesen. Unterschrift: „Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau. Darum CDU." Liebe Leute, wenn´s das nur wäre. Die Geschichte dieses Plakates ist nämlich länger, wenn auch ein alter Hut. Denn Inspirator des Plakates von 1953 war ein Mann, der bei den Nazis zu den führenden Fachkräften der antibolschewistischen Propaganda gehört hatte. Er, Eberhard Taubert sein Name, recycelte 1953 nur das Motiv eines früheren Horrrorgemäldes. Da allerdings trug der Russe hinterm Strahlenkranz ein Messer im bluttriefenden Maul. Taubert, geboren am 11. Mai 1907 in Kassel, gestorben 1976 in Köln, war in Goebbels´Propagandaministerium auch zuständig für die „Aktivpropaganda gegen Juden", schrieb das Drehbuch für den Hetzfilm „Der ewige Jude" und erfand das tolle Wort von den „Ratten und Schmeißfliegen". Offenbar qualifizierte ihn all das für spätere Aufgaben im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen und als Berater von Bundeswehr und NATO bei der psychologischen Kriegführung. Weiß man im Augstein-Mauseleum von dem Mann? Man müßte. Schon am 18. Oktober 1951 bracht der „Spiegel" einen Text unter dem Titel: „Antikommunist Eberhard Taubert in Aktion".