Schlechte Gerüche

Reihenweise machen sie sich öffentlich in die Hosen, Leute aus jenem Verein, der sich heute Die Linke nennt und davor PDS geheißen hat. Warum? Weil eine Frau aus Niedersachsen in einem Fernsehinterview irgendwie angedeutet haben soll, daß es wohl wieder so etwas ähnliches wie einen Geheimdienst geben müßte, falls der Sozialismus in hiesigen Landstrichen erneut die Qualität der Staatlichkeit gewönne. Christel Wegner heißt sie, deren Namen derzeit täglich in jeder deutschen Zeitung steht. Sie gehört einer Partei namens DKP an, über deren Zulassung trotz KPD-Verbots sich Ende der 1960er Jahre die Bundesregierung und der Kreml geeinigt hatten und die dann von der SED finanziert werden mußte. In Niedersachsen gelangte Frau Wegner auf der Liste der Partei, die früher PDS geheißen und einiges vom Eigentum ihrer Namensvorgängerin SED behalten hat, vor wenigen Tagen ins Landesparlament. Die Partei namens DKP hatte im Rahmen eine Tauschgeschäfts darauf verzichtet, selbst bei der niedersächsischen Landtagswahl anzutreten. Am heutigen Tag ist Frau Wegner aus der niedersächsischen Landtagsfraktion jener Partei ausgeschlossen worden, die früher mal sogar die Personalakten der Partei namens DKP verwaltet hat - bis alles der Russe holte.

Hosenscheißerei macht selbstverständlich schlechte Gerüche und sieht, wenn öffentlich betrieben, blöde aus. Der Grund für ihr Stattfinden soll die Landtagswahl in Hamburg am nächsten Sonntag sein. Wenn das stimmte, wäre es doppelt peinlich. Denn beim Thema Geheimdienste denkt der halbwegs gebildete Mensch doch an den dortigen Spitzenkandidaten der SPD, dem sich schon am 28. August 1998 der folgende Tageszeitungskommentar widmete. Überschrift: "Der Schattenmann".: Er kam, sah und bestimmte: Vor dem Erscheinen Michael Naumanns in Gerhard Schröders Schattenmannschaft war der Wiederaufbau des Berliners Stadtschlosses für die Sozialdemokraten kein Thema. Das änderte sich mit ein paar in die Fernsehkameras gesprochenen Worten des Schattenmannes, der unter einem Kanzler Schröder so etwas ähnliches wie ein Bundeskulturminister werden soll. Naumann, nach eigener Auskunft eine "Karteileiche" der SPD, stand plötzlich und nicht nur in dieser Frage für den Kurs der gesamten Partei. Diese Demonstration von Bevormundungskultur läßt Großartiges erwarten für Zeiten, in denen der heutige Angestellte des meinungsmachenden Holtzbrinck-Konzern in staatlichem Amt und Würden ist. Besonders ungern gesehen sind Bevormunder natürlich dann, wenn niemand genau wissen kann, ob hinter ihnen nicht noch andere Bevormunder stehen. Im Falle des Michael Naumann gibt es da seit ein paar Tagen Erklärungsbedarf: Zu Wochenbeginn kam Erich Schmidt- Eenbooms Buch "Undercover. Der BND und die deutschen Journalisten" auf den Markt. Es enthält auch diese interessante Information: Unter dem Decknamen "Norddorf« führe der Bundesnachrichtendienst 1970 den Redakteur des Münchner Männermagazins M Michael Naumann. Angeblich, so Schmidt-Eenboom, sei der damals 29jährige ein "Zufallskontakt" des BND gewesen. Doch habe Naumann noch andere Beziehungen nach Pullach gehabt. Die allerdings reichten dort auf familiären Wegen bis nach ganz oben. Denn 1970, in jenem Jahr, als für den Journalisten bei der "Zeit" ein steiler Aufstieg begann, heiratete Naumann die Tochter des damaligen BND-Chefs Gerhard Wessel. Über dessen Behörde schrieb 1968 der "Spiegel": "Die parlamentarische Kontrolle ist minimal, und so besteht stets Gefahr, daß die Männer, mit deren Nachrichten Politik gemacht werden soll, selber Politik mit Nachrichten machen." Man stelle sich vor, Schröders Schattenmann hätte bis 1989 in der DDR gelebt, wäre der Schwiegersohn von Erich Mielke gewesen und noch dazu auf einer Liste des MfS als IM aufgetaucht. Würden dann nicht sämtliche Zeitungen des Landes darüber schreiben, sich in Vermutungen üben über die Karriere des Mannes? Doch hier liegt der Fall ja anders: Der BND - auch unter Gerhard Wessel geleitet von einem alten Nazi-Offizier der Abteilung "Fremde Heere Ost" - ist der Geheimdienst einer Demokratie. "Ich halte es für eine legitime und ehrenvolle Mitarbeit auch von Journalisten, wenn sie dem BND Erkenntnisse vermitteln", sagte 1974 der Naumann-Schwiegervater. "Die Frage der Honorierung"sei "ein Problem für sich".