Fritze Hitler

Man wollte nicht nur Geld, man wollte auch Hitler. Helmut Dietl hat es in seinem Film "Schtonk" genau beschrieben. Ein Vierteljahrhundert her ist die Pleite des Verlages Gruner + Jahr, der damals und auch danach Gerd Schulte-Hillen an der Spitze hatte, und des Magazins "Stern" mit den wunderbaren "Hitler-Tagebüchern". Das FAZ-Feuilleton widmet dem Jubiläum heute fast eine ganze Gedenkseite. Der Name Hitler allerdings kommt auf ihr verdächtig wenig und gar nicht die damalige Ankündigung vor, nun müßten große Teile der deutschen Geschichte umgeschrieben werden. Seit "Schtonk" wissen wir aber, was damit gemeint war, nämlich daß "Der Führer" ein Mensch wie Du ich gewesen sei, der sogar mit Blähungen kämpfte. So hatte es Konrad Kujau aufgeschrieben und dem "Stern" für 9,3 Millionen D-Mark verkauft. Das Duo Eichinger/Hirschbiegel verfilmte, ohne es zu wissen, Kujaus Vorlage im Jahr 2004 und nannte sein Werk "Der Untergang". Den bahnbrechenden Erkenntnissen des Malers und Fälschers Kujau aus Löbau in Sachsen fügte es weitere hinzu. Seitdem wissen wir auch, daß Hitler Schokolade aß. Und manchmal hat er Eva auf den Mund geküßt. FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher geriet darob in gröbste Verzückung, feierte die Farce als "Meisterwerk" in einer Rezension, die er mit der allerdings zutreffenden Überschrift "Die zweite Erfindung Hitlers" versah. Es muß sich also keiner wundern, wenn er aus der FAZ von heute nichts über die Gründe der "Stern"-Pleite vor 25 Jahren erfährt, der die Herren von Gruner + Jahr leicht hätten entgehen können, von wegen der Initialen F und H  auf einigen der angeblichen Tagebuchbände. Wer auf Hitler-Erfindungen abfährt, merkt halt nischt. Oder will´s nicht. Denn das Schnarchen im Kinosaal beim "Untergang" - besser hätte der Film "Fritze Hitler" geheißen - war ja kaum zu überhören.