Zwi zwi

Rosa Luxemburg wären sie gerne los, die Regierungssozialisten in der Linkspartei. Denn diese Frau ist ein Hindernis für das ersehnte Mitregieren auf nationaler Ebene, das so viele neue Möglichkeiten für die Verteilung von Pöstchen bringt. Deshalb finden sie den Gedanken schön, Rosa Luxemburg endlich politisch  zu beerdigen, selbst wenn es sich physisch gar nicht um Rosa Luxemburg handelt,  sondern um eine Leiche, die  von dem Event-Forensiker Michael Tsokos für Rosa Luxemburg ausgegeben wird.  Das Grab darf dann selbstverständlich nicht in Berlin-Friedrichsfelde sein.  Nein, sie werden in einer hochmoralisch geführten Diskussion beweisen, daß nur eine abseitig- einsame Grabstätte in Frage kommt. Alles wird sich dann um die Stelle aus Luxemburgs Gefängsnisbriefen drehen, in der es um die Kohlmeisen als Künder des kommenden Frühlings geht und darum, daß nichts außer deren Ruf  "Zwi zwi" auf  Rosa Luxemburgs Grabstein stehen dürfe. Die Leiche in der Charité ist eine so schöne Chance,  das hinzubekommen, was die PDS-Führung seit 1990 ersehnte: der jährlich im Januar stattfindenden Demonstration zur "Gedenkstätte der Sozialisten" in Berlin-Fiedrichsfelde, die als Grabstätte von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gilt, ein Ende zu machen.  Ein namenloses Zwi-zwi-Grab, das Rosa Luxemburg auch räumlich trennt von der Friedrichfelder Gedenkstätte, die ja  Gräber von Prominenten der alten Sozialdemokratie, der KPD und der SED versammelt, ja, das wär´s. Damit wäre der Bezug zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung gekappt.