Entlastung für Papa

Es war ein Sturmangriff auf das DDR-Verständnis von Antifaschismus, als 1994 das Buch "Der gesäuberte Antifaschismus. Die SED und die roten Kapos von Buchenwald" erschien. Hauptautor: Lutz Niethammer, ein Historiker aus Westdeutschland, den man in den 1980er Jahren bei einem Treffen von Faschismusforschern aus beiden Deutschländern im rüganischen Sellin hatte sehen können und der nun als Entwicklungshelfer in der ostdeutschen "Wissenschaftswüste" auf dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena saß. Viele - und nicht nur im Osten - kritisierten: Niethammers Buch wies den politischen Häftlingen von Buchenwald nun eine Rolle als Täter zu statt als Opfer der Nazis, die sie ja doch waren. Die "Roten Kapos", das meinte Leute aus der Generation von Lutz Niethammers Vater, die im Konzentrationslager (KZ) Buchenwald Funktionen bekleidet hatten und deshalb auch Vorgänge im Lager beeinflussen konnten.

An der harten Diskussion um Niethammers Buch war der Autor dieser Zeilen nicht unbeteiligt. Was er allerdings damals nicht wußte, erzählte ihm nun die Frankfurter Allgemeine vom Montag: Niethammers Vater trat schon 1932 in die SA ein und gehörte einem sog. Künstlersturm an. Meist waren es SA-Leute, die als erste nach dem 30. Januar 1933 jene Nazigegner quälten, die ihnen in die Hände gerieten. Aus den gequälten Antifaschisten quasi Handlanger von Niethammers Papa zu machen, ist schon eine reife Leistung des Sohnes.